Anleitung zum Internet

Man sagt, das Internet bestehe aus Katzen und Pornos.

Falsch.

Das Internet besteht aus Katzen, Pornos und motzenden Menschen. Vorwiegend letzteres. Es ist ein großer Tummelplatz für Wüteriche, Besserwisser und beleidigte Leberwürste*. Wenn man mal aus Versehen einen Blick in Onlineforen wirft, könnte man meinen, sämtliche Kommentatoren seien im Wald von einem Rudel BVG-Busfahrer großgezogen worden.

Man blickt hinab in die „Tiefenschichten der Entrechteten“**, die von unfähigen Politikern regiert werden, von Schwachmaten umgeben sind oder von Muslimen/Frauen/Juden/Außerirdischen beherrscht und gedemütigt werden.  Im Netz dürfen sie sich endlich dagegen wehren und der Welt die Wahrheit verkünden. Auffällig oft verlieren sie dabei zusammen mit ihrer guten Kinderstube, einer gesunden Objektivität und Ironiefähigkeit auch ihre Rechtschreibkenntnisse***.

Der Anlass ihres Ärgers sind nicht nur tagespolitische Ereignisse, die sie im SPON-Forum diskutieren, sondern potenziell jeder im Internet nachlesbare Inhalt. Dabei kann es sich um Kochrezepte, Museumsbeschreibungen oder, wie in meinem Falle bei graphitti-blog.de, um mehr oder weniger lustige Bildchen handeln. Oft reicht ein einziges Stichwort, um unabhängig vom  eigentlichen Thema des Blog- oder Webseiteninhalts eine cholerische Diskussion in den Kommentarfeldern zu entfachen, die nur noch von einem löschaffinen Moderator gestoppt werden kann.

Wer hier versucht, mit Ironie gegenzusteuern, hat verloren. Um seinen Platz im Netz zu behaupten, hat man daher nur noch eine Möglichkeit: Man muss mitmachen. Freunden ausgewogener Diskurse fällt das meistens schwerer als ein Feierabend ohne Rotwein. Als Hilfestellung biete ich an dieser Stelle eine Reihe von Keywords, die ausreichend häufig angewendet, den Sieg in sämtlichen Onlinediskussionen quasi garantieren: Lakaien, Abnickerverein, Steuerknechte, „Volksvertreter“ (rofl), verlogener geht’s kaum noch, armes Deutschland!, der kleine Mann, das ist so typisch deutsch!, die so genannte „political correctness“ und gute Nacht, Deutschland!

Wenn alles nichts hilft, kann man immer noch den Kommentatorenjoker ziehen und alle anderen mit einem „Ach, halt doch dein dummes Maul!“ in ihre Schranken weisen.

* Es gibt auch Besserwisserinnen und beleidigte Leberwürsterinnen, allerdings sind sie deutlich in Unterzahl.
** Karl Marx meinte damit nicht das Internet, aber es passt so schön.
*** Dann gibt es aber glücklicherweise meistens noch andere Kommentatoren, die sich über falsche Orthografie beschweren.