Bei euch heißt es Sperrmüll, wir nennen es Galerie

Die Ausstellung „based in Berlin“ zeigt derzeit an verschiedenen Standpunkten Werke in Berlin lebender junger Künstler. Ein darüber hinaus gehendes Konzept gebe es nicht. So heißt es jedenfalls offiziell. Tatsächlich jedoch ist sie eine ausgesprochen gelungene Persiflage auf die zeitgenössische Berliner Kunst, die ebenso zuverlässig peinlich-banal ist wie sie ernsthafte Erwähnungen in Feuilletons findet.

Hauptausstellungsort ist das Atelierhaus im Monbijoupark. Hier zeigen die Macher, dass sie auch wirklich kein billiges Klischee über neue Berliner Kunst ausgelassen haben: Auf Stoff gedruckte Fotos von Treppenliftern, ein blubberndes Aquarium, eine an die Wand gepinnte Schäferhundpostkarte und Erdöl auf einer weißen Leinwand. Letzteres soll nach dem BP-Desaster wohl den gesellschaftskritischen Teil abdecken. Es wird viel mit Konzeptkunst gearbeitet, was den Vorteil hat, dass man dafür nicht malen können muss.

Eine große Anzahl junger Leute sitzt in den Ausstellungsräumen und bildet einen Teil des Gesamtwerkes. Frisch aus der King Size Bar rekrutiert spielen sie trendig aussehende Ausstellungswärter und versuchen nicht über den Unfug zu kichern, den sie bewachen sollen.

Um junge Berliner Kunst formvollendet zu karikieren, bedarf es natürlich der Hipster, die auf keinem Kunstevent fehlen dürfen. Ihr Treffpunkt ist Cookies Bar im Eingangsbereich. Cookie, der in den 90ern Berlins Aufstieg als Partystadt mitgestaltete, ist mittlerweile so etwas wie Rolf Eden in cool. Da der Barraum trotz einer Drehende-Sonnenschirme-Installation selbst für Berliner Verhältnisse ungemütlich wirkt und der Sommerabend lau ist, versammeln sich die Hipster draußen an einem langen Tisch. Touristen, die diese Performance als solche nicht erkennen, trauen sich hin und wieder, sich mit einem Glas Wein daneben zu setzen.

Das sorgt für ein paar Irritationen, denn der ironisch getragene Bart des Mittehipsters sieht genauso aus wie der des Bielefelder Familienvaters, der ihm gegenüber sitzt und nur das American-Apparel-Shirt bleibt dem jungen Kreativen als Distinktionsmerkmal.

Doch von diesem kleinen Wermutstropfen abgesehen zeigt „based in Berlin“ einen gelungenen Überblick über all die gehypten Verfehlungen der kreativen, weltoffenen, sich ständig neu erfindenden Neuberliner Kunstszene.

Das Augenzwinkern muss man sich einfach dazu denken.