Die Wahrheit über Ex-Freunde

Ex-Freunde sind ein äußerst untererforschtes Thema, fast ein blinder Fleck in der Wissenschaftswelt und ich würde sogar so weit gehen und behaupten: Über Ex-Freunde spricht man nicht, Ex-Freunde hat man.

Was interessiert die Leute besonders zu diesem Thema? Ich habe mich der Frage per Google-Recherche genähert und festgestellt, dass es hier zwei große Themenbereiche gibt:

  1. Wie bekomme ich meinen Ex zurück?
  2. Ex-Freund zerstückelt Frau in Gartenlaube.

Wir bewegen uns also in einem traurigen und gleichermaßen furchteinflößenden Umfeld: Frauen, die ihre Ex-Freunde zurückhaben möchten!

Kein Wunder, dass sich die Wissenschaft so selten an dieses Thema heranwagt.

Nicht einmal die Wikipedia hat einen Eintrag über Ex-Freunde. Dafür aber eben einen sehr langen über World of Warcraft und einen noch längeren über Katzen.

Die Schwierigkeit des Themas liegt auch an dessen Vielfältigkeit. Boris Becker und Norbert Röttgen sind Ex-Freunde, Albert Einstein war Ex-Freund und ja, auch Adolf Hitler. Grob geschätzt sind etwa ein Drittel der Weltbevölkerung Ex-Freunde.
2.3 Milliarden.
Das erklärt einiges.

Ich kann hier also nicht dem Anspruch genügen, eine vollständige Abhandlung über Ex-Freunde zu bringen, sondern möchte lediglich zwei Aspekte beleuchten, die mir wichtig und interessant erscheinen.

Ich beginne mit ein paar Zahlen, die ich aus den Untiefen des Internets fischen musste:

  • Laut der Europäischen PARSHIP Single- und Partner-Studie hat der oder die Durchschnittsdeutsche 2,6 Ex-Partner (unklar bleibt, ob die Befragten vielleicht erst achtzehn Jahre alt waren).
  • Das Schlachtross des Wissenschaftsjournalismus, die Neon, hat eine Umfrage in Auftrag gegeben, nach der nur 55,6 % aller Deutschen bis 35 Jahren je einen One-Night-Stand hatten.
  • Und zu guter Letzt habe ich auf welt.de eine internationale Studie gefunden, nach der deutsche Frauen in ihrem Leben 10,1 Geschlechtspartner haben.

Ich fasse zusammen:

Deutsche Frauen haben im Durchschnitt 2,6 Beziehungen hinter sich, nur jede Zweite One-Night-Stands und sie kommen trotzdem irgendwie auf 10,1 Sexualpartner? Diese Zahlen passen doch gar nicht zusammen, könnte man meinen.

Ich denke doch.

Viel größer als die Gruppe der Ex-Freunde, die man unbedingt zurückhaben möchte, und die Gruppe, die einen in Parkhäusern erstechen, ist ein anderer Ex-Freundtyp:

„Der Vergessene“.

Mit dem Vergessenen ist man in der Regel zwei bis vier Monate zusammen, häufig eine klassische Übergangsbeziehung. Übergangsbeziehungen sind so etwas wie Übergangsjacken. Meistens nicht besonders schön, aber praktisch und wenn man sie verliert, hat man sie nach weniger als einer Woche vergessen.

Wenn einen dann Jahre später Leute vom Marktforschungsinstitut anrufen und  nach der Anzahl seiner Beziehungen fragen, fällt einem vielleicht der erste feste Freund ein oder der Ex, der einen mit der besten Freundin betrogen hat ein oder vielleicht auch noch die ein oder andere zehnjährige Beziehung, aber all die Stefans, Holgers, Andreasse, Martins und Christians  sind längst vergessen oder wurden von der inneren Ratingagentur von Ex-Partner auf Ex-Sexualpartner heruntergestuft. Da über sie naturgemäß nie Bücher geschrieben oder Filme gedreht werden, tauchen sie in der öffentlichen Wahrnehmung nicht auf und bleiben ein verborgenes Kapitel in der Geschichte zwischenmenschlicher Beziehungen.

Der zweite Aspekt, dem ich mich widmen möchte, behandelt die Frage:

„Wie werde ich eigentlich Ex-Freund?“.

Auch hier zitiere ich eine Parship Studie, die die Top Five der besten Möglichkeiten zur Ex-Freundwerdung aufzählt:

  1. Untreue (63 %)
  2. Ausgehender Gesprächsstoff (59 %) („Nein Schatz, es liegt nicht an dir, sondern an unserem ausgehenden Gesprächsstoff.“)
  3. Lügen (48 %)
  4. Unterschiedliche Lebensziele (44 %)
  5. Nörgeleien an meiner Person (40 %) (also nicht an meiner Person, sondern an der der Befragten, wobei ich es ja schon niedlich fände, wenn das für andere ein Trennungsgrund darstellen würde)

Um ganz sicher zu gehen, Ex-Freund zu werden, empfehle ich also, eurer Freundin folgendes zu sagen:

„Schatz, eigentlich habe ich dir nichts mehr zu sagen. Außer vielleicht, dass ich meine Kollegin gebumst habe, weil du Physikerin werden möchtest und ich aber Tierfilmer und weil du immer so laut schmatzt beim Essen.“

Wenn das Ganze dann auch noch gelogen war: umso besser.

Ansonsten hilft auf dem Weg zum Ex-Freunddasein ein Hinweis, der schon viele Sachbuchautorinnen und -autoren sehr, sehr reich gemacht hat:

Sei einfach du selbst!