Gefühltes Deutschland

Nach drei Bieren erzähle ich gerne die Geschichte, wie ich mal 24 Stunden lang in Gelsenkirchen immatrikuliert war. Ich hatte beschlossen, nach dem Grundstudium das Fach zu wechseln und bekam einen Studienplatz in Gelsenkirchen. Ich bin in West-Berlin aufgewachsen und bis auf Schleswig-Holstein, wo wir ein Ferienhaus hatten, kannte ich den Rest Deutschlands nur vom Hörensagen.

Mein damaliger Freund und ich fuhren früh morgens ins Ruhrgebiet, ich immatrikulierte mich und ging dann auf Wohnungssuche. Weil ich nicht viel Zeit hatte, rief ich eine Maklerin an, deren Nummer ich aus der Zeitung hatte. Damals gab es noch keine Smartphones oder mobiles Internet. Wir mussten wirklich noch mit gesprochener Sprache kommunizieren, man kann es sich gar nicht mehr vorstellen.

Die Maklerin bot mir eine Wohnung in der Altstadt für wirklich wenig Geld an und ich sah mich schon mit Schalke-Schal in einer süßen Altbauwohnung im Ortszentrum sitzen. Ich hatte wirklich keine Ahnung von Gelsenkirchen.

An dem Tag wurde mir klar, dass ich noch sehr viel über Deutschland lernen muss. Aber vorher exmatrikulierte ich mich in Gelsenkirchen und zog nach Erfurt. Da blieb ich dann auch nur sechs Wochen, aber das ist eine andere Geschichte.

Mittlerweile ist aus meinem Unwissen über Deutschland ein gesundes Halbwissen geworden und daraus jetzt auch ein Buch.

Ich verlose drei Exemplare unter den Leserinnen und Lesern, die mir bis Montag, den 13.4.2015, in den Kommentaren schreiben, warum ich Gelsenkirchen doch eine Chance hätte geben sollen.

Update:

Ich hatte ja schon mal davon gehört, dass das Internet super sein kann, aber ich war dann doch überrascht, was für tolle Antworten ich auf meine Frage bekommen habe.

Ihr seid wahnsinnig lustig, ihr solltet Humorbücher schreiben! Jedenfalls konnte ich mich nicht für die drei besten entscheiden und habe am Ende den Zufallsgenerator entscheiden lassen. Jeweils ein Buch bekommen ActionJens, bersarin und Esther. Danke! <3

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40 Gedanken zu „Gefühltes Deutschland

  1. Steffi

    Ich hab keine Ahnung, warum man Gelsenkirchen noch ne Chance geben sollte, ich weiß nur eins: DAS BUCH BRAUCH ICH UNBEDINGT FÜR MEINE KLO-BIBLIOTHEK!!!

  2. Martin Wanke

    Schade, hätte für den geneigten Leser durchaus unterhaltsam werden können, wenn die Berliner Schnauze auf die Ruhrpott-Mentalität trifft. Ob sich Gelsenkirchen gelohnt hätte? Keine Ahnung, ich war noch nie dort, nicht mal für 24 Stunden.

  3. Benjamin

    Hallo Katja,

    glaube Gelsenkirchen im Pott sollte man ne Chance geben, weil das wir eine Reifeprüfung im Leben ist. Mittlerweile lebt die zweite, dritte Generation türkischer Mitbürger dort, die FH scheint gar nicht so schlecht, aus der Solar-Stadt wurde aber leider nichts und die Arbeitslosenquote ist noch weiter die letzten Jahre gestiegen.
    Der S04 ist genauso und für viele dennoch ne Art Religion oder Fussballtempel (nen Tor zur Welt).

    In der Gelsenkirchen-Zeit kann man dann super das Ruhrgebiet erkunden, sei es die Einkaufsstadt Essen und die Zeche Zollverein ums Eck, den Nienhausen Park und mit dem Rad die Emscher oder Kanäle entlang, die wunderbaren Halden rund um GE oder den Nordsternpark, das mit Studenten gefüllte Bermuda Dreieck in Bochum und undund

    Lecker Bier wird auch gebraut und alle Menschen sind schön direkt und die Sprache erst.

    Ich komme aus dem Schwärmen nicht heraus.

    Vielleicht musst Du doch noch ein Semester Ruhrgebiet dranhängen?

    Schöne Grüße!

  4. Janina

    Ich glaube, Du hast die richtige Entscheidung getroffen, was Gelsenkirchen angeht. Allerdings war ich auch noch nie da und habe also gar keine Ahnung. Aber so ein Buch hätte ich gern…

  5. ActionJens

    Liebe Katja,

    in Anbetracht der globalen Erwärmung wäre Gelsenkirchen tatsächlich eine gute Wahl gewesen. Die Stadt liegt 60 Meter über dem Meeresspiegel. Berlin bietet mit seinen lediglich 34 Metern nicht genügend Schutz bei der bevorstehenden Überflutung Deutschlands. Somit hättest du im Falle einer Flutkatastrophe immerhin 26 Meter länger zu leben und mehr Zeit für deine wunderbaren Bücher.

    Lieber Gruß

    ActionJens

  6. Claudia

    Du solltest Gelsen-Kirchen noch einmal eine Chance geben, weil dich die kleinen Macken der Berliner dann wieder viel weniger stören!

  7. heiko

    Fehlentscheidung, es hätte ein kulturhistorisch-empirisches Studium auch und gerade außerhalb der Uni werden können. Stichwort: Gelsenkirchener Barock. Das aber nur als Teaser, wir wollen ja das möglicherweise doch noch kommende Selbststudium nicht vorwegnehmen.

    Beste Grüße

  8. brocksrocks

    liebe frau berlin,
    selbst gelsenkirchen, meine traumstadt, hätte durch Ihren aufenthalt noch an charme dazugewonnen.
    ich kann das beurteilen, schließlich folge ich ihnen auf twitter. aber wissen sie was, ich kaufe mir das buch.
    in aufrichtiger distanzierter verehrung, brocksrocks.

  9. daniel

    Gelsenkirchen? No idea – ggfs gut da Dortmund direkt in der Nachbarschaft liegt? Es einen Bahnhof gibt, von dem man schnell wegkommt?
    Viel wichtiger: ich würde ja echt gern das Buch gewinnen 🙂

  10. David

    Jeder sollte noch eine zweite Chance bekommen, auch dieser Herr Gelsenkirchen.

  11. Patrick

    Gelsenkirchen ist toll! Es hat einen ganz hervorragenden … äh, naja, vergessen. Und die Dingens ist auch sehenswert, ich weiß aber gerade nicht wie sie heißt.

    In Gelsenkirchen ist man schon so gut wie in Bochum, Dortmund, Essen und den anderen Perlen im Ruhrgebiet. Ich habe mehr als 14 Jahre dort freiwillig gewohnt, jetzt bin ich unfreiwillig in derselben Stadt wie du…

    Im Ernst, in Gelsenkirchen kann man sich wohl fühlen. Hab’ ich mal gehört.

  12. Markus

    In Anbetracht der Tatsache, dass ich erst einmal in Gelsenkirchen war und das für weniger als 24 Stunden, taugt wohl nicht für eine ausufernde Lobhudelei auf diese Stadt. Was ich aber ganz sicher weiß ist, dass du auf jeden Fall mehr als 24 Stunden Zeit benötigst, um die schönen Stellen der Stadt überhaupt erstmal zu finden. Als ich da war zeigt sich mir nur eine völlig trostlose Ruhrpott-Metropole, aber irgendwo unter einem Stein findet man vielleicht nach langer Suche auch einen schönen Flecken und für den hätte sich dann eine wochenlange Suche wohl gelohnt – da bin ich sicher 😉 So genug blablabla, eigentlich möchte ich doch nur so ein Buch 🙂

    VG Markus

  13. Romy

    Du hättest Gelsenkirchen eine Chance geben sollen, weil zu dieser Zeit wahrscheinlich ein einsamer Manuel Neuer dort herumlief. Wärest du damals auf Schalke geblieben, hättest du dir den durchaus ansehnlichen, recht stabilen aber vor allem – und das ist der springende Punkt – überdurchschnittlich reichen Welttorhüter unter den Nagel reißen können. Hättest du das getan, würdest du jetzt in einer riesigen Villa in München hausen und könntest bis ins hohe Alter einfach die Füße hochlegen. Ein anderer Grund fällt mir nicht ein. Über so ein Buch würde ich mich trotzdem sehr freuen.

  14. Sörn

    Weil man in Gelsenkirchen selbst am Samstag immer einen Parkplatz im Zentrum finden kann. Sogar mit Anhänger.
    Außerdem sieht das Gras, das auf der Straße wächst ganz schick aus

  15. Isa

    Na weil Katja Gelsenkirchen doch gleich viel weniger bourgeois klingt als Katja Berlin! …oder so. Irgendwie.

    Viele Grüße,
    eine Urberlinerin

  16. Louis

    Du solltest Gelsenkirchen eine Chance geben, weil diese Stadt – wie jeder anderer Ort in Deutschland – erholsamer (sprich langweiliger) als Berlin ist und jeder Ort in Berlin nochmals erholsamer (langweiliger) als Gesundbrunnen.
    😉

    Beste Grüße

    Ein Gesundbrunnenbewohner

  17. Patrick

    Weil jeder der, der mit dem Mainstream schwimmt, irgendwas mit Berlin macht – wie cool wäre da wohl Katja Gelsenkirchen gekommen? Außerdem könntest du damit Ausländer unnötig verwirren über die korrekte Aussprache 🙂

  18. Alex

    Du solltest Gelsenkirchen eine Chance geben. Weil es sonst keine hat.

  19. Esther

    Warum Gelsenkirchen?!? Ich kenne nur einen Grund, warum man dahin ziehen sollte. Wegen des fensterrentners. Ansonsten haste alles richtig gemacht, da bloß wieder wech zu kommen.
    Woanders ises schöner!

    Viele Grüße
    Esther

    P.S. Wenn du nur einen Tag in der wunderschönen Stadt Mannheim verbracht hättest, wäre ich nicht annähernd so nachsichtig.

  20. Denise

    Du hättest Gelsenkirchen eine Chance geben sollen, weil es ja sonst nix zu lachen hat.

  21. Olaf

    Hallo Katja,

    In Gelsenkirchen ist der Schwabenanteil geringer als in Berlin. Gluten-/laktosefreie Spätzle bzw. Maultaschen gibt es dort sicherlich nicht!

    Viele Grüße aus Stuttgart!

    1. Petra Nottelmann

      Liebe Katja! Vielleicht weil der Mensch durchaus in der Lage sein könnte, auch in langweiligen Städten leben zu können?
      L.G.Pety

      1. katjaberlin Artikelautor

        Liebe Petra, ich mag langweilige Städte. Es ging nur darum, dass Gelsenkirchen komplett anders war als ich es mir vorgestellt habe, weil ich keine Ahnung vom Ruhrgebiet hatte.

  22. Chrissi

    Ich war selber noch nie dort in Gelsenkirchen, aber jede Stadt hat (bestimmt) ihre guten Seiten und in jeder Stadt gibt es (bestimmt) auch nette Menschen, die man kennen lernen kann.

    Es gibt da ja viele Fußballvereine, die in der Bundesliga spielen, so könntest du dir da jedes Wochenende live ein Spiel reinziehen. (Aber vielleicht bist du ja nur an der Hertha interessiert?)

    Man lebt da ja auch viel zentraler. So kann man z.B. schneller nach Holland, Belgien, Frankreich und England reisen.

    Freue mich auf ein Buch,

    Chrissi

  23. thisismymistake

    Du könntest auch der Einfachheit halber nach Spandau ziehen. Das ist dann quasi das gefühlte Gelsenkirchen…

  24. Jo

    Gelsenkirchen hat alle Chancen verdient seine maroden Schulden durch solvente Steuerzahler zu mindern, damit es endlich wieder die Produktivität erreicht, die es zuletzt zu den Zeiten des Nationalsozialismus hatte.

    Stadteile mit so attraktiven Namen wie Horst, Bismarck und Rotthausen laden zum vereilen ein, attraktiver Erstligafußball lockt charmante Großsponsoren wie Gazprom zu sinnstiftenden Investitionen, Persönlichkeiten wie Hugo-Heinz Schmick, Georg Funke und Philipp Missfelder wurden hier geboren, Adolf Hitler Ehrenbürger und Rudolf Assauer kämpft seit vielen Jahren von Gelsenkirchen aus für die Gleichstellung der Frau.

    Außerdem sorgt der Name Gelsenkirchen in Verbindung mit Verlosungsaktionen für ein außerordentlich hohes Kommentaraufkommen in deutschsprachigen Blogs.

  25. Christopher

    Hi, ich habe absolut keinen Schimmer, warum du hättest in Gelsenkirchen bleiben sollen. Als ich da war, habe ich mich während einer sündhaft teuren Veranstaltung in der Schalke Arena mit meinem Herzmenschen gestritten. Meide Gelsenkirchen seither 😀 und bin mir daher ziemlich sicher, dass die schnelle Flucht aus Gelsenkirchen das einzig richtige war und ist.

    Würde mich aber trotzdem sehr über das Buch freuen.

  26. Jörn

    Menschen, die Gelsenkirchen scheisse finden: 47%
    Davon schon mal da gewesen: 0%
    Davon Berliner: 100%

    (Ich kann Torten nie malen, nur essen)

    Tataaa, Jörn

  27. Kathi

    Gelsenkirchen? Wahrscheinlich hätte Schalke dann endlich mal die Meisterschaft geschafft.

  28. Torsten

    Also ich war schon mal in Gelsenkirchen, konnte mich aber an nichts besonderes Erinnern…
    auch der Wikipedia-Eintrag macht die Stadt nicht interessanter …

    Also wenn du nicht gerade Schalke-Fan bist, wüsste ich nicht, was einen nach Gelsenkirchen ziehen sollte.
    Erfurt und (natürlich) Berlin sind da doch andere Größen.

    Würde mich freuen, mein bescheidenes Halbwissen über Deutschland mit einem fundierten Halbwissen ergänzen zu können.

    1. thisismymistake

      Es gibt in Gelsenkirchen das Institut für Unterirdische Infrastruktur. Vielleicht das einzige weltweit? Das weiss ich dank Wikipedia.

  29. Soffie

    … weil das nicht mehr als der gerechte Ausgleich für Olli Dittrichs Angjangemang in & für Eppendorf wäre. Zudem gibts beim Bäcker gegenüber vom Hbf ab 18 Uhr alles zum halben Preis. Gut gegen Heimweh: Steht man auf ‘ner Halde, kann man den Gasometer sehen. Und umgekehrt. Wie bei Funk- und Fernsehturm. Romantisch. Immer noch Heimweh? Dann ab mit der BOGESTRA nach Bochum, wo es die allerallerleckerste K-k-k-körriwurst von allen gibt. Und eine GLS-Bank. Auch nicht verkehrt. Nicht zuletzt erfreut sich GE im Gegensatz zu B eines – inklusive Gepäck! – funktionierenden Flughafens in fußläufiger Entfernung. Gentrifizierung? Permanente Party der Touris in den jüngst erschlossenen Ferienwohnungen überunterneben Dir? Kein Thema! Und wenn erst Dorothee Mields eines schönen Tages doch noch ihr “Gelsenkirchener Barockorchester” gründet, dann dürften auch die letzten – und vermutlich sowieso nur aus selbstwertdienlichem Interesse vorgeschobenen – Bedenken so geplatzt sein wie die müllerhenkelschen Olympiaträume. Wobei ich auf die Schmach, von zwei, ehm, Herren, ehm, regiert zu werden, die nicht nur Müller und Henkel heißen, sondern sich auch so aufführen, und auf die Konsequenz, dass demgegenüber selbst Dinslaken und Castrop-Rauxel noch akzeptable Alternativ-Wohnsitze darstellen, nicht weiter eingehen. A propos: Weiß hier eigentlich jemand, wieviel Platz so’n Internet hat? (Memo an mich: Beim nächsten Mal unbedingt dran denken, irgendwo noch die Kurve zu dem Buch zu kriegen.)

  30. bersarin

    Du solltest Gelsenkirchen eine Chance geben, damit Lars Eidinger hier in Berlin endlich wieder emotional entspannt Theater spielen kann, ohne schmachtenden Blicken ausgesetzt zu sein, die seiner sensiblen Schauspielerseele so sehr zusetzen.

  31. Simon

    Hallo Katja,

    wenn man Gelsenkirchen noch eine Chance hätte geben sollen, dann nur, um am eigenen Leibe festzustellen, dass ein blauer Schal nun wirklich die falsche Farbwahl ist – und man stattdessen besser schwarz-gelb trägt 🙂

  32. Nuschi

    Hallo Katja!
    Weil man den Stadtwerbespruch so gut schütteln kann:
    „Herz im Revier voll Kraft und Zauber“ (Eigenwerbung)
    Einmal schütteln: „Zauberkraft im Herz: voll das Revier“
    Nochmal: „Und Zaubert Kraftvoll Hartz Vier“
    Oder als Alkoholikerversion: „Voll im Revier – zauberhaft!“
    (Das hab ich mal fürs Gelsenkirchenkapitel in meinem Buch rausgefunden.)

    Grüße, Martin

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