Großartige Kleinigkeiten I

An der richtigen Position in der Supermarktschlange stehen, wenn eine neue Kasse aufgemacht wird

Auch die liberalisierten Öffnungszeiten haben nichts daran geändert, dass man gefühlt vierzehn Jahre seines Erwachsenenlebens in Warteschlangen von Supermärkten steht. In dieser Zeit könnte man ein Jurastudium absolvieren, russisch lernen und anschließend „Krieg und Frieden“ im Original lesen. Stattdessen bleiben wir dumm und haben dafür gefüllte Kühlschränke.

Hin und wieder ziehen wir jedoch das große Los, wenn eine Frau im Kittel von hinten zwischen den Wartenden durch an die unbesetzte Kasse läuft und uns mit einem Nicken deutet, dass wir uns jetzt auch an dieser Kasse anstellen können. Fair und anständig wäre es jetzt natürlich, die Leute vor uns in der Schlange, die ja noch länger warten, vortreten zu lassen. Das machen wir aber nicht, denn dieser Moment ist vom Supermarktgott eigens für uns geschaffen worden. Mit einem schnellen Spurt zur Seite stehen wir an erster Stelle am Band und während die Mitarbeiterin ihre Kasse einrichtet und freischaltet, blicken wir nach hinten, um die bewundernden Gesichter der Zuspätgekommenen zu genießen. Unsere gewonnenen fünf Minuten Lebenszeit nutzen wir dafür, vor dem Supermarkt in die Sonne zu gucken und darüber nachzudenken, dass das Leben es doch eigentlich ganz gut mit uns meint.