{"id":437,"date":"2014-08-04T13:45:53","date_gmt":"2014-08-04T11:45:53","guid":{"rendered":"http:\/\/katjadittrich.de\/?p=437"},"modified":"2014-08-04T21:40:41","modified_gmt":"2014-08-04T19:40:41","slug":"der-berliner-u-bahnplan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katjadittrich.de\/?p=437","title":{"rendered":"Der Berliner U-Bahnplan"},"content":{"rendered":"<p><strong>U1: Die Klassikerin<\/strong><\/p>\n<p>Berlin kann sich ver\u00e4ndern, wie es will, eines bleibt: In der U1 ist niemand n\u00fcchtern, so will es die Fahrgastordnung. Die Punks wurden mittlerweile durch Expats ersetzt, aber der Drogenumsatz blieb konstant. Hier ist Kreuzberg am sch\u00f6nsten.<\/p>\n<p><strong>U2: Die Zumutung<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste man Geld bekommen, um mit der U2 zu fahren. Sie ist eng, rumpelig und so langsam, dass man von Pankow schneller nach Ruhleben gelaufen ist. R\u00fcckw\u00e4rts.<br \/>\nWer einmal mit der U2 nach einem Heimspiel der Hertha gefahren ist, hat offiziell ein Anrecht auf Fr\u00fchpensionierung.<\/p>\n<p><strong>U3: Der Uni-Express<\/strong><\/p>\n<p>Inhalt: 100 % Student\/innen auf dem Weg zur FU. Niemand, der in Zehlendorf wohnt, f\u00e4hrt U-Bahn <span class=\"st\">\u2013<\/span> nicht mal zum Tennisplatz.<\/p>\n<p><strong>U4: Die \u00dcberfl\u00fcssige<\/strong><\/p>\n<p>Dank der Kanzlerbahn U55 ist sie nicht mehr die sinnloseste U-Bahnstrecke der Stadt. Trotzdem: Die meisten Leute fahren sie nur, um bei stockenden Partysmalltalks erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, dass sie ja mal mit der U4 gefahren sind.<\/p>\n<p><strong>U5: Der DeLorean<\/strong><\/p>\n<p>Mit der U5 kann man schnurstracks zur\u00fcck in die DDR fahren. Sie ist die Trabi-Safari auf Schienen. Nur der Streckenabschnitt durch Friedrichshain l\u00e4sst erahnen, dass es irgendwann mal den Mauerfall gegeben haben muss.<\/p>\n<p><strong>U6: Der Diepgen<\/strong><\/p>\n<p>In der U6 regiert noch Diepgen, sie ist sozusagen das Westpendant zur U5. Nicht ohne Grund hei\u00dfen die Endhaltestellen Alt-Tegel und Alt-Mariendorf, neu ist hier nur das kurze Mittelst\u00fcck durchs Zentrum. Das konservierte West-Berlin f\u00e4hrt mit der U6 in Gegenden, die in keinem Lonely Planet zu finden sind. Wer sich f\u00fcr unironische Damenoberbekleidung der 80er Jahre interessiert, sollte sich vom Tegeler See auf den Weg in den tiefsten S\u00fcden machen.<\/p>\n<p><strong>U7: Der Schliemann<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge der Aufwertung Neuk\u00f6llns wurde die U7 wiederentdeckt, die jahrelang unbemerkt ein Wilmersdorfer Nischendasein fristete. Das Spandauer Ende der U7 gilt bislang als unerforscht, Stationen wie &#8222;Haselhorst&#8220; oder &#8222;Paulsternstra\u00dfe&#8220; sind das Atlantis Berlins. Mythische Orte, an deren Existenz aber niemand wirklich glaubt.<\/p>\n<p><strong>U8: Der Club<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-439\" src=\"https:\/\/katjadittrich.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/20140803_1416541-168x300.jpg\" alt=\"20140803_141654\" width=\"168\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/katjadittrich.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/20140803_1416541-168x300.jpg 168w, https:\/\/katjadittrich.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/20140803_1416541-576x1024.jpg 576w, https:\/\/katjadittrich.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/20140803_1416541-624x1109.jpg 624w, https:\/\/katjadittrich.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/20140803_1416541.jpg 1836w\" sizes=\"(max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Berlins Nachtleben spielt sich zu 87 % in der U8 ab. Tags\u00fcber gilt die U8 unter Psycholog\/innen weltweit sozusagen als Urmeter der depressiven Verstimmung. Sie ist wie eine Gruppentherapie auf R\u00e4dern, eine Flasche Bier gilt als g\u00fcltiger Fahrschein. Nachts dagegen bl\u00fcht die U8 auf und wird zum gr\u00f6\u00dften Hipsterballungszentrum der Bundesrepublik. Es ist nur der gnadenlosen Gesch\u00e4ftsunt\u00fcchtigkeit Berlins zu verdanken, dass hier niemand Getr\u00e4nke verkauft oder Musik auflegt. Die Ticketpreise k\u00f6nnte man dadurch verf\u00fcnffachen.<\/p>\n<p><strong>U9: Die Grande Dame<\/strong><\/p>\n<p>Wer es sich leisten kann, f\u00e4hrt U9. Nat\u00fcrlich erst ab Zoologischer Garten s\u00fcdw\u00e4rts, der n\u00f6rdliche Streckenabschnitt durch Wedding und Moabit ist quasi die Charitygala dieser Linie. Die U9 ist die komfortabelste U-Bahn. Hier ist niemand betrunken, Hunde gibt es hier nur im Handtaschenformat und einige Fahrg\u00e4ste haben angeblich sogar richtige Jobs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>U1: Die Klassikerin Berlin kann sich ver\u00e4ndern, wie es will, eines bleibt: In der U1 ist niemand n\u00fcchtern, so will es die Fahrgastordnung. Die Punks wurden mittlerweile durch Expats ersetzt, aber der Drogenumsatz blieb konstant. Hier ist Kreuzberg am sch\u00f6nsten. U2: Die Zumutung Eigentlich m\u00fcsste man Geld bekommen, um mit der U2 zu fahren. Sie ist eng, rumpelig und so langsam, dass man von Pankow schneller nach Ruhleben gelaufen ist. R\u00fcckw\u00e4rts. Wer einmal mit der U2 nach einem Heimspiel der Hertha gefahren ist, hat offiziell ein Anrecht auf Fr\u00fchpensionierung. U3: Der Uni-Express Inhalt: 100 % Student\/innen auf dem Weg zur FU. Niemand, der in Zehlendorf wohnt, f\u00e4hrt U-Bahn \u2013 nicht mal zum Tennisplatz. U4: Die \u00dcberfl\u00fcssige Dank der Kanzlerbahn U55 ist sie nicht mehr die sinnloseste U-Bahnstrecke der Stadt. Trotzdem: Die meisten Leute fahren sie nur, um bei stockenden Partysmalltalks erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, dass sie ja mal mit der U4 gefahren sind. U5: Der DeLorean Mit der U5 kann man schnurstracks zur\u00fcck in die DDR fahren. Sie ist die Trabi-Safari auf Schienen. Nur der Streckenabschnitt durch Friedrichshain l\u00e4sst erahnen, dass es irgendwann mal den Mauerfall gegeben haben muss. U6: Der Diepgen In der U6 regiert noch Diepgen, sie ist sozusagen das Westpendant zur U5. Nicht ohne Grund hei\u00dfen die Endhaltestellen Alt-Tegel und Alt-Mariendorf, neu ist hier nur das kurze Mittelst\u00fcck durchs Zentrum. Das konservierte West-Berlin f\u00e4hrt mit der U6 in Gegenden, die in keinem Lonely Planet zu finden sind. Wer sich f\u00fcr unironische Damenoberbekleidung der 80er Jahre interessiert, sollte sich vom Tegeler See auf den Weg in den tiefsten S\u00fcden machen. U7: Der Schliemann Im Zuge der Aufwertung Neuk\u00f6llns wurde die U7 wiederentdeckt, die jahrelang unbemerkt ein Wilmersdorfer Nischendasein fristete. Das Spandauer Ende der U7 gilt bislang als unerforscht, Stationen wie &#8222;Haselhorst&#8220; oder &#8222;Paulsternstra\u00dfe&#8220; sind das Atlantis Berlins. Mythische Orte, an deren Existenz aber niemand wirklich glaubt. U8: Der Club Berlins Nachtleben spielt sich zu 87 % in der U8 ab. Tags\u00fcber gilt die U8 unter Psycholog\/innen weltweit sozusagen als Urmeter der depressiven Verstimmung. Sie ist wie eine Gruppentherapie auf R\u00e4dern, eine Flasche Bier gilt als g\u00fcltiger Fahrschein. Nachts dagegen bl\u00fcht die U8 auf und wird zum gr\u00f6\u00dften Hipsterballungszentrum der Bundesrepublik. Es ist nur der gnadenlosen Gesch\u00e4ftsunt\u00fcchtigkeit Berlins zu verdanken, dass hier niemand Getr\u00e4nke verkauft oder Musik auflegt. Die Ticketpreise k\u00f6nnte man dadurch verf\u00fcnffachen. U9: Die Grande Dame Wer es sich leisten kann, f\u00e4hrt U9. Nat\u00fcrlich erst ab Zoologischer Garten s\u00fcdw\u00e4rts, der n\u00f6rdliche Streckenabschnitt durch Wedding und Moabit ist quasi die Charitygala dieser Linie. Die U9 ist die komfortabelste U-Bahn. 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