Was ich im Urlaub gelernt habe

  • Großbritannien besteht zu 93 % aus Teppichboden. Der Rest sind Filialen vSchottlandon Starbucks, Caffè Nero und Costa Coffee.
  • Ich weiß auch nach zwei Wochen Linksverkehr nicht, aus welcher Richtung jetzt die Autos kommen.
  • Es gibt noch Bubble Tea in Großbritannien.
  • Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, an dem man immer die Nüchternste ist, dann sind es englische Damentoiletten.
  • In England gibt es freundliche Busfahrer. Verrückt.
  • Wenn in Großbritannien über Gefühle geredet wird, handelt es sich entweder um einen Popsong oder einen Film mit Hugh Grant.
  • Wie toll der britische Humor ist. Zum Beispiel wenn ich bei der Einreise gefragt werde, ob ich zum Partymachen nach MancLakeDistricthester gekommen sei. Aus Berlin.
  • Oder wenn man sieht, dass es Campingplätze in Schottland gibt.
  • Es ist immer beer o’clock.
  • Englische Züge sind ein guter Ort, um mal in sich zu gehen und zu überlegen, wie toll die Deutsche Bahn doch eigentlich ist.
  • Ein Street Food Market voller Engländer muss nicht zwangsläufig in Kreuzberg sein.
  • Und nur weil August ist, muss ja nicht gleich Sommer sein.
  • Penistone in Yorkshire wird anders ausgesprochen.
  • Man darf die Preise nie in Euro umrechnen.
  • Wirklich nicht.
  • Ernsthaft.

Gefühltes Deutschland

Nach drei Bieren erzähle ich gerne die Geschichte, wie ich mal 24 Stunden lang in Gelsenkirchen immatrikuliert war. Ich hatte beschlossen, nach dem Grundstudium das Fach zu wechseln und bekam einen Studienplatz in Gelsenkirchen. Ich bin in West-Berlin aufgewachsen und bis auf Schleswig-Holstein, wo wir ein Ferienhaus hatten, kannte ich den Rest Deutschlands nur vom Hörensagen.

Mein damaliger Freund und ich fuhren früh morgens ins Ruhrgebiet, ich immatrikulierte mich und ging dann auf Wohnungssuche. Weil ich nicht viel Zeit hatte, rief ich eine Maklerin an, deren Nummer ich aus der Zeitung hatte. Damals gab es noch keine Smartphones oder mobiles Internet. Wir mussten wirklich noch mit gesprochener Sprache kommunizieren, man kann es sich gar nicht mehr vorstellen.

Die Maklerin bot mir eine Wohnung in der Altstadt für wirklich wenig Geld an und ich sah mich schon mit Schalke-Schal in einer süßen Altbauwohnung im Ortszentrum sitzen. Ich hatte wirklich keine Ahnung von Gelsenkirchen.

An dem Tag wurde mir klar, dass ich noch sehr viel über Deutschland lernen muss. Aber vorher exmatrikulierte ich mich in Gelsenkirchen und zog nach Erfurt. Da blieb ich dann auch nur sechs Wochen, aber das ist eine andere Geschichte.

Mittlerweile ist aus meinem Unwissen über Deutschland ein gesundes Halbwissen geworden und daraus jetzt auch ein Buch.

Ich verlose drei Exemplare unter den Leserinnen und Lesern, die mir bis Montag, den 13.4.2015, in den Kommentaren schreiben, warum ich Gelsenkirchen doch eine Chance hätte geben sollen.

Update:

Ich hatte ja schon mal davon gehört, dass das Internet super sein kann, aber ich war dann doch überrascht, was für tolle Antworten ich auf meine Frage bekommen habe.

Ihr seid wahnsinnig lustig, ihr solltet Humorbücher schreiben! Jedenfalls konnte ich mich nicht für die drei besten entscheiden und habe am Ende den Zufallsgenerator entscheiden lassen. Jeweils ein Buch bekommen ActionJens, bersarin und Esther. Danke! <3

Titel1 2 3 4

Baby, it’s bad out there

Der Berliner Winter kommt zwei-, dreimal im Jahr und dauert ungefähr acht bis neun Monate. In der restlichen Zeit sitzen alle Berlinerinnen und Berliner zwanghaft draußen vor Cafès, trinken Latte Macchiato Third Wave Coffee ohne Milch und erzählen sich Schauermärchen aus vergangenen Wintertagen als die Stadt nach Kohleöfen roch und man statt Street Food noch Currywürste essen musste. Bei diesen Geschichten weiß man nie genau, ob sie 1952 oder 2007 spielen.

Die sibirische Außenstelle zwischen Spandau und Erkner ist im Winter wirklich nichts für schwache Gemüter. Es ist ein bisschen wie Game of Thrones, nur ohne Sex und mit rücksichtsloseren Menschen. Wer überleben will, braucht eine Strategie und da ich mittlerweile 236 Berliner Winter hinter mich gebracht habe, teile ich gerne meine besten Tipps.

  1. Nicht vor die Tür gehen

Zugegeben, das fällt Arbeitslosen und Freiberuflern leichter als Angestellten, aber nachdem der erste Schnee gefallen ist, nicht weggeräumt, sondern platt und glatt getreten wurde, bekommt man eine viermonatige Krankschreibung relativ leicht, indem man einfach doch kurz vor die Tür geht.

  1. Sich richtig anziehen

Wenn Nr. 1 nicht funktioniert, weil man Mammuts jagen Lebensmittel einkaufen gehen muss, greift Nr. 2 und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Das hat zur Folge, dass wir Berlinerinnen und Berliner zwar scheiße aussehen, aber immerhin erfrieren wir nicht. Jeden Februar werden zahlreiche Wohnungen gut gekleideter Engländer, Spanier, Italiener und US-Amerikaner frei, die es nicht geschafft haben. Nach vier Monaten im dunklen Berlin hat sich die Sehfähigkeit sowieso weitgehend zurückentwickelt und man orientiert sich größtenteils durch Echoortung. Dann stört sich auch keiner mehr an dem sharkeyDaunenschlafsack, den man am besten ganztägig trägt.

  1. Alkohol trinken

Hahaha. Ok. Ja klar, machen wir eh. Aber jetzt halt noch mehr.

  1. Urlaub planen

Einer der meist gesagten Sätze im Februar lautet: “Nächstes Jahr bleiben wir aber nicht den Winter über hier, sondern fahren nach Asien.”. Das macht man nie, aber im darauffolgenden Dezember kann man sich zumindest noch ein wenig an seiner Scham über die eigene Inkonsequenz wärmen.

  1. Auf dem Boden liegen und so lange wimmern, bis der Frühling kommt

Meine Lieblingsstrategie. Klappt relativ zuverlässig.

Der Berliner U-Bahnplan

U1: Die Klassikerin

Berlin kann sich verändern, wie es will, eines bleibt: In der U1 ist niemand nüchtern, so will es die Fahrgastordnung. Die Punks wurden mittlerweile durch Expats ersetzt, aber der Drogenumsatz blieb konstant. Hier ist Kreuzberg am schönsten.

U2: Die Zumutung

Eigentlich müsste man Geld bekommen, um mit der U2 zu fahren. Sie ist eng, rumpelig und so langsam, dass man von Pankow schneller nach Ruhleben gelaufen ist. Rückwärts.
Wer einmal mit der U2 nach einem Heimspiel der Hertha gefahren ist, hat offiziell ein Anrecht auf Frühpensionierung.

U3: Der Uni-Express

Inhalt: 100 % Student/innen auf dem Weg zur FU. Niemand, der in Zehlendorf wohnt, fährt U-Bahn nicht mal zum Tennisplatz.

U4: Die Überflüssige

Dank der Kanzlerbahn U55 ist sie nicht mehr die sinnloseste U-Bahnstrecke der Stadt. Trotzdem: Die meisten Leute fahren sie nur, um bei stockenden Partysmalltalks erzählen zu können, dass sie ja mal mit der U4 gefahren sind.

U5: Der DeLorean

Mit der U5 kann man schnurstracks zurück in die DDR fahren. Sie ist die Trabi-Safari auf Schienen. Nur der Streckenabschnitt durch Friedrichshain lässt erahnen, dass es irgendwann mal den Mauerfall gegeben haben muss.

U6: Der Diepgen

In der U6 regiert noch Diepgen, sie ist sozusagen das Westpendant zur U5. Nicht ohne Grund heißen die Endhaltestellen Alt-Tegel und Alt-Mariendorf, neu ist hier nur das kurze Mittelstück durchs Zentrum. Das konservierte West-Berlin fährt mit der U6 in Gegenden, die in keinem Lonely Planet zu finden sind. Wer sich für unironische Damenoberbekleidung der 80er Jahre interessiert, sollte sich vom Tegeler See auf den Weg in den tiefsten Süden machen.

U7: Der Schliemann

Im Zuge der Aufwertung Neuköllns wurde die U7 wiederentdeckt, die jahrelang unbemerkt ein Wilmersdorfer Nischendasein fristete. Das Spandauer Ende der U7 gilt bislang als unerforscht, Stationen wie “Haselhorst” oder “Paulsternstraße” sind das Atlantis Berlins. Mythische Orte, an deren Existenz aber niemand wirklich glaubt.

U8: Der Club20140803_141654

Berlins Nachtleben spielt sich zu 87 % in der U8 ab. Tagsüber gilt die U8 unter Psycholog/innen weltweit sozusagen als Urmeter der depressiven Verstimmung. Sie ist wie eine Gruppentherapie auf Rädern, eine Flasche Bier gilt als gültiger Fahrschein. Nachts dagegen blüht die U8 auf und wird zum größten Hipsterballungszentrum der Bundesrepublik. Es ist nur der gnadenlosen Geschäftsuntüchtigkeit Berlins zu verdanken, dass hier niemand Getränke verkauft oder Musik auflegt. Die Ticketpreise könnte man dadurch verfünffachen.

U9: Die Grande Dame

Wer es sich leisten kann, fährt U9. Natürlich erst ab Zoologischer Garten südwärts, der nördliche Streckenabschnitt durch Wedding und Moabit ist quasi die Charitygala dieser Linie. Die U9 ist die komfortabelste U-Bahn. Hier ist niemand betrunken, Hunde gibt es hier nur im Handtaschenformat und einige Fahrgäste haben angeblich sogar richtige Jobs.

Die Wahrheit über Gesundbrunnen

Seit Oktober letzten Jahres wohne ich im Wedding. Seit Ende Dezember weiß ich, dass ich gar nicht im Wedding wohne, sondern in Gesundbrunnen. Mir war überhaupt nicht bewusst, dass es seit der Bezirksreform einen eigenständigen Ortsteil namens Gesundbrunnen gibt, der mit Wedding gar nichts mehr zu tun hat. Aber das ist ja auch erst seit 2001 so, ich konnte es als Berlinerin also gar nicht wissen. Mit Veränderungen haben wir es ja nicht so. Deshalb haben wir auch seit ungefähr 1874 denselben Bürgermeister, dessen einzige nennenswerte Leistung darin besteht, unseren Flughafen Tegel zu erhalten.*

Als mir dann durch Zufall plus Wikipedia klar wurde, dass ich überhaupt nicht im Wedding, sondern in Gesundbrunnen wohne, war es zu spät. Ich hatte schon allen Freundinnen und Freunden gesagt, dass ich im Wedding wohne, nun wollte ich ihnen eine erneute Veränderung nicht zumuten.

Außerdem kennt auch überhaupt niemand Gesundbrunnen. Nicht mal Anwohner. Alle blieben von der Bezirksreform völlig unbeeindruckt im Wedding wohnen.

Weil ich aber als Berlinerin natürlich sofort einen Kiezpatriotismus entwickelt habe, ist es nun an der Zeit, mit der Wahrheit herauszurücken.

Wikipe20131019_174005dia weiß über Gesundbrunnen, dass er fast 90.000 Einwohner hat, davon knapp 60 % mit Migrationshintergrund, einen Umsteigebahnhof und einen sicheren hinteren Platz im Berliner Sozialatlas, dass es früher eine Heilquelle gab, dass Harald Juhnke hier aufwuchs und dass Hertha BSC hier ihren ersten festen Platz hatte. Der Ortsteil gehört zum Bezirk Mitte, grenzt an Prenzlauer Berg, Reinickendorf und Pankow. Zu Gesundbrunnen gehören u. a. das Brunnenviertel, der Soldiner Kiez, der Humboldthain und das Gebiet um die Reinickendorfer Straße.

Was man sonst über Gesundbrunnen liest, stammt meistens vom Polizeiticker. Seitdem ich hier wohne, habe ich bereits dreimal bewaffnete Polizisten in schusssicheren Westen Nachbarhäuser stürmen sehen. Ich fühle mich aber eigentlich immer sehr sicher, zumal vor meinem Haus ständig die Drogenfahndung steht, die das Studentenwohnheim gegenüber beobachtet.

Und man muss ja auch versuchen, dem etwas Positives abzugewinnen: Dafür habe ich in Gesundbrunnen noch nie eine Fahrradkontrolle erlebt. Keine Polizeistreife wird dich hier anhalten, weil du nicht genug Reflektoren am Fahrrad hast. Außerdem gibt es sowieso kaum Radfahrer. Radfahren auf der Prinzenallee oder auf der Badstraße ist in etwa so sicher und so spaßig, wie eine laufende Kettensäge zu umarmen. Die großzügig angelegten Radwege wurden von den Gesundbrunnerern kurzerhand zu Parkstreifen umfunktioniert. Dadurch kann man jetzt in der dritten Spur parken, womit vielen Einwohnern ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen ist.

Gesundbrunnen hat drei Naherholungsgebiete: Die Panke, den Volkspark Humboldthain und das Gesundbrunnencenter.

Ich weiß nicht, ob das allen schon aufgefallen ist. Das Gesundbrunnencenter sieht aus wie ein riesiges Passagierschiff. Ich stelle mir manchmal vor, wie wir uns dort bei der nächsten Sintflut paarweise einfinden, um die Zeit bis nach dem Regen bei nanu nana zu vertrödeln.

Wobei man als Anwohnerin gar keine Sintflut braucht, um im Gesundbrunnencenterschiff die Zeit zu vertrödeln.

Die zwei größten und wichtigsten Geschäfte im Gesundbrunnencenter sind Saturn und real. Dort hält sich immer ungefähr ein Drittel der fast 90.000 Einwohner auf. Davon die meisten bei Saturn in der Handyabteilung. Dort ballt es sich, als gäbe es in Gesundbrunnen nicht noch 5.000 andere Handygeschäfte. Während ich mein altes, dauernd abstürzendes Smartphone so lange behalte, bis es endgültig kaputt geht, nur um mich nicht über neue Handys informieren zu müssen, ist genau das hier Volkssport. Alle gucken sich neue Handys an. Ständig. Vermutlich sollte ich mich über ein neues Gerät gar nicht im Internet oder bei Verkäufern informieren, sondern einfach in die Handyabteilungsbesuchermasse hineinrufen, welches sie mir denn empfehlen und diesem Rat blind vertrauen.

Weitere Hauptattraktion im Saturn sind die Massagesessel. Im Obergeschoss des Gesundbrunnencenters stehen auch noch welche, aber da muss man Geld reinstecken, um sie zu benutzen. Bei Saturn kann man sie kostenlos ausprobieren. Jedes Mal, wenn ich im Saturn bin, sitzt dort eine komplette Familie auf den Sesseln und lässt sich massieren. Als ich das zum ersten Mal sah, weckte das in mir ca. 32 verschiedene Gefühle. Einerseits ist das natürlich wahnsinnig komisch, andererseits aber auch rührend und vor allem auch ein bisschen traurig, weil man sich ja durchaus schönere Familienausflüge als zu den Saturnmassagesesseln vorstellen könnte – allerdings kosten die meisten davon eben auch Geld und in Berlin ist es wie bei Monopoly: Die Badstraße hat den geringsten Wert.

Nach Saturn geht man zu real. Dort kann man alles kaufen: Fernseher, Wasserkocher, Werkzeug, Turnschuhe, Lebensmittel und natürlich auch Handys. Es ist wie ein Einkaufszentrum im Einkaufszentrum. Was sofort auffällt: An den Regalen stehen die Sortimentsbezeichnungen auf Deutsch und auf Türkisch.

In Prenzlauer Berg sind die Kindergärten zweisprachig, in Gesundbrunnen die Supermärkte. Das ist eine geniale Form der Erwachsenenbildung. Ich muss nur noch ein paar Mal einkaufen gehen, um bei meiner nächsten Türkeireise sicher und fehlerfrei Knabbergebäck, Schokoriegel und Handstaubsauger bestellen zu können.

Eigentlich müsste real aber noch einen Schritt weitergehen und die Regale auch auf Arabisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Hausa, Bambara, Amharisch, Chinesisch, Kisuaheli, Urdu, Polnisch und Russisch beschriften. Gesundbrunnen ist ja noch deutlich heterogener.

Denn während es nebenan im Wedding schon Urban Gardening, amerikanische Micro Breweries, Cupcakeläden und Longboardshops gibt, hat die Gentrifizierung Gesundbrunnen wenn überhaupt, dann bislang nur in homöopathischer Dosierung ergriffen. Es gibt lediglich eine Handvoll netter Bars und Restaurants. Das war’s.

Zwar gehören nicht mehr alle Vollbärte auf der Badstraße zu alten Männern und nicht mehr alle Jutebeutel sind nur für den Transport von Lidl-Cola gedacht. Aber das ist okay. In Gesundbrunnen sind eh alle scheiße angezogen, da fallen ein paar Hipster und ein paar Künstler auch nicht weiter auf. Noch heißt es hier jedenfalls deutlich häufiger çok güzel als nice.

Zugegeben, Gesundbrunnens Charme erschließt sich einem nicht auf Anhieb. Mit ihm verhält es sich so ein bisschen wie mit der Schinkelkirche am U-Bahnhof Pankstraße, die von Dönerläden, Matratzenoutlets und 1-€-Shops umzingelt wird: Sie fällt nicht sofort auf, aber wenn man sie sucht, findet man sie schnell.

Die hässliche 70erjahre-Architektur des Brunnenviertels garantiert die Durchmischung des Ortsteils bestimmt noch ein paar weitere Jahre. Und das ist auch gut. Nicht nur, weil wir Berlinerinnen und Berliner es nicht so mit Veränderungen haben, sondern vor allem, weil die Heterogenität den Gesundbrunnen so attraktiv macht und wenn wir mal von den paar Wohnungseinbrüchen und Überfällen absehen, läuft das Zusammenleben eigentlich viel harmonischer als uns der Polizeiticker weismachen möchte.

* Schönefeld wird nur nicht fertig, weil wir das nicht wollen und nicht, weil wir das nicht können.

10 Gründe, warum Feminismus so toll ist

  • Mehr Abwechslung in allen Lebensbereichen – und das ganz ohne Drogen.20120611_200513
  • Keine Frau ist mehr gezwungen, Spiegel-Online-Kommentatoren zu heiraten.
  • Weil er euch liebt.
  • Männer müssen sich nicht mehr zwangsläufig nur mit Einparken, Waffen und Jagd beschäftigen, sondern dürfen endlich auch mal ein gutes Buch lesen.
  • Besserer Sex für alle!
  • Mit dem generischen Femininum ist die erforderliche Mindestzeichenanzahl bei Hausarbeiten und Motivationsschreiben viel schneller erreicht.
  • Über Machtverhältnisse und Privilegien nachdenken ist Gehirnjogging ohne das bescheuerte Sudoku.
  • Es ist für uns alle besser, wenn ich nicht in der Küche stehe.
  • Genitalien entscheiden nicht mehr zwangsläufig über Lebenswege, wofür sie definitiv immer unterqualifiziert waren.
  • Mehr Freiheit, Menschenrechte und Selbstbestimmung für 3,6 Milliarden Menschen.  Wenn nicht sogar für 7,2 Milliarden.

Katzen im Winter. Eine Gebrauchsanweisung.

Wenn die letzten Blätter von den Bäumen gefallen sind und die Abende kalt und dunkel 20130323_121616werden, beginnt die Zeit der Besinnlichkeit. Kerzen werden angezündet, man zieht sich mit einem guten Buch  und einem noch besseren Rotwein auf den Sessel zurück.

Die Stille, die einkehrt, wird nur von dem Gluckern der Heizung oder vom Rascheln der kahlen Äste im Wind unterbrochen. Es ist die Zeit der Ruhe und der Einkehr.

Es sei denn, man hat Katzen.

Weiterlesen…

Woran du erkennst, dass du eine echte Berlinerin bist

  • Du bist schon mal mit der U7 gefahren.
  • Aber nur zu IKEA.
  • Du weißt, welches Arbeitsamt für dich zuständig ist.
  • Du hast den Fernsehturm noch nie Alex genannt.
  • Du kennst in Brandenburg zwei Orte mehr als nur den Liepnitzsee.
  • Du verstehst nicht genau den Unterschied zwischen Hessen und P1030168Niedersachsen, immerhin ist beides Westdeutschland.
  • Du trägst deine 80er-Jahre-Klamotten unironisch.
  • ES GIBT KEIN KREUZKÖLLN!
  • BVG-Fahrer finden dich unfreundlich.
  • Du hasst Schwaben. Bis auf deine Eltern, die sind ganz ok.

Weitere Berlinerklärungen von mir findet man gerade im neuen BerlinBuch der Zitty.

Die Wahrheit über die Geschlechter

Was uns Religionen und Sachbuchautoren schon seit Anbeginn der Erde (also seit ca. 6.000 Jahren) lehren, scheinen immer noch nicht alle verstanden zu haben.

Frauen und Männer stammen nicht nur von anderen Planeten, sondern von anderen Galaxien. Sie sind so verschieden, dass das Universum immer ein winziges Stückchen kleiner bleibt als die riesigen Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern.

Diese Unterschiede sind alle naturgegeben. Bestimmte Aminosäuren führen dazu, dass Frauen immer so viel putzen und weniger verdienen. Männliche Hormone dagegen führen bekanntermaßen zu einer absoluten Emotionslosigkeit. Ein trauriger Smiley ohne Nase ist das Maximum an Gefühl, das ein Mann nachempfinden kann.

Ein doppeltes X-Chromosom führt zwangsläufig zu einem redseligen Wesen. Männer dagegen sprechen überhaupt nicht gerne viel über sich und ihre Ansichten, sondern können im Gegensatz zu Frauen sehr ausdauernd schweigen. Das kann man etwa in politischen Talkshows oder in Interviews mit Kulturschaffenden sehr gut beobachten. Menschen ohne Vagina sind außerdem begnadete Einparker. Alle. Das war auch schon in der Steinzeit so, weil es den Jägern entscheidende Vorteile im Kampf gegen die Säbelzahntiger einbrachte.

Säbelzahntigerjagd (Symbolbild)

Im Grunde haben uns all unsere Unterschiede damals vor den Säbelzahntigern gerettet. Deshalb dürfen wir sie heute nicht wegdiskutieren, sondern müssen so früh wie möglich damit beginnen, sie zu leben und zu schätzen.

Da kleine Babys noch nicht ihren Kopf heben können, um ihr Geschlechtsteil zu sehen, muss man sie sofort nach der Geburt rosa oder hellblau kleiden, damit sie wissen, welchem Team sie angehören. So können sie schon vor dem Verschluss der Fontanellen ihre Berufswahl treffen. Männliche Kinder können zwischen Pirat oder Ritter wählen, weibliche Kinder zwischen Prinzessin und Fee. Andere Berufsbilder liegen nicht in der Natur des Menschen.

Leider zwingt uns der Kapitalismus heutzutage allerdings zur Erwerbstätigkeit, die unserem Wesen widerspricht. Nur am Horn von Afrika und auf einigen wenigen Mittelalterfesten darf ein Mann noch ein Mann sein. Mädchen haben es etwas leichter, müssen aber zur Ausübung der Prinzessinnenprofession zum Teil nach Japan, Bahrain oder sogar nach Belgien ziehen. In Deutschland bleibt ihnen ihr Traumberuf verwehrt.

Aber was der Kapitalismus auf der einen Seite anrichtet, versucht er nun auf der anderen Seite gutzumachen, in dem er uns geschlechtsspezifische Produkte anbietet. Bislang gibt es u. a. Kinderhustenbonbons, Chips, Grillsaucen, Kugelschreiber, Überraschungseier speziell für Männer oder Frauen. Dies reicht aber längst nicht, um unseren Unterschieden gerecht zu werden.

Idealerweise etwa sollten gleich die gesamten Konsumzonen nach  Geschlechtern getrennt werden. Ich stelle mir auf der einen Seite einen rosa-glitzernden Supermarkt vor, der nur aus einer großen Salatbar und einem Waschmittelregal besteht. Dieser Supermarkt hat riesige pinke Leuchtschilder, damit Frauen ihn mit ihrem schlechten Orientierungssinn finden können. Auf der anderen Seite sehe ich einfach ein paar rohe, an Stangen gehängte Rehkeulen und Bierflaschen auf Laufbändern, die erjagt werden müssen.

Das ist zugegebenermaßen noch Zukunftsmusik. Solange dieses Ziel noch nicht erreicht ist, wünsche ich mir zunächst eine noch striktere Warentrennung.

Es fehlt zum Beispiel ordentlich gekennzeichnetes geschlechtsspezifisches Mineralwasser – also  mit extra viel männlicher Kohlensäure bzw. mit gar keiner Kohlensäure, weil der weibliche Körper nicht rülpsen kann. Frisches Obst und Gemüse muss Feenaufkleber bekommen, damit Männer gewarnt sind. Olivenöl light für Frauen, Motoröl für Männer. Schokolade mit bis zu 60 % Kakaomasse in Pink, ab einem höheren Anteil in Blau. Würste dürfen nur noch rosa sein, wenn sie aus Putenbrust bestehen, ansonsten müssen sie silber-metallic  gefärbt werden.

Wichtig sind auch die Zubereitungshinweise. Auf Tiefkühlkostpackungen für Männer muss deutlich werden, wie ein Herd aussieht, wie man ihn öffnet und wie man ihn anstellt. Zubereitungshinweise für Frauen dagegen müssen Bilder zeigen, wo der Temperaturschalter ungefähr stehen sollte, weil Zahlen das weibliche Geschlecht verwirren.

Ach, es gibt noch viel zu tun, bis man endlich wieder eine echte Frau oder ein echter Mann sein darf. Industrie, Marketing und Werbung, ich zähle auf euch!

Die Wahrheit über Berlin

Es ist an der Zeit, mit ein paar Hauptstadtmythen aufzuräumen, die viel zu viel Platz in Zeitungen und Onlineportalen einnehmen. Platz, der mit Bildern schlafender Goldhamster sinnvoller gefüllt wäre.

1. Der Schwabenhass

Mein Freundes- und Bekanntenkreis besteht zu einem großen Teil aus Schwaben, auch wenn sie steif und fest behaupten, aus „Hessen“ zu stammen.

Sie wohnen zum Teil schon seit vielen Jahren in Berlin, ohne dass jemals ein Mob wütender Lichtenberger oder Reinickendorfer mit Fackeln und Mistgabeln vor ihrer Wohnungstür gestanden hätte. Dennoch skizzieren Medien unermüdlich ein düsteres Bedrohungsszenario für meine Mitbürger(innen) mit Ländlehintergrund. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Müssen einfach Zeitungsseiten gefüllt werden? Gibt es gerade keine Eisbärenbabygeburt im Zoo? Oder will man überspielen, dass man es nicht zu Kriegs-, sondern nur zu Kiezreportern geschafft hat?

Wie auch immer: Der ominöse Schwabenhass ist ein klassisches Sommerlochthema. Die größte Gefahr für einen Baden-Württemberger in Prenzlauer Berg sind die Straßenbahnschienen in Verbindung mit einem Vintage-Rennrad. In Mitte und Kreuzberg hasst niemand Schwaben, weil Franzosen und Italiener gar nicht wissen, was das ist und in den anderen Bezirken ist es den allermeisten Menschen herzlich egal, woher man kommt, solange man ihnen nicht auf den Keks geht.

2. Die Kampfradler

Glaubt man den Medien, herrscht auf Berlins Straßen Krieg. Die Warlords sind Radfahrerinnen und Radfahrer – „Kampfradler“, wie man sie im Medienjargon nennt. Kampfradler sind blitzschnelle Angriffstruppen, die alte Menschen, Eltern mit Kindern und alle anderen Verkehrsteilnehmer bedrohen.

Die Wahrheit sieht so aus: Wenn man als Radfahrerin in Berlin kämpft, dann um sein Leben. Man steht so weit unten in der Nahrungskette, dass Fruchtfliegen Solimärsche für einen organisieren.

Waren es früher vor allem die Taxis, LKW und die zweite-Reihe-Parker, die Radfahrern ans Leder wollten, gibt es seit kurzem eine neue Form der Bedrohung: Car Sharing mit Kleinwagen. An diesem Punkt stelle sich bitte jede(r) ein Rudel Smartfahrer vor, deren Fahrt pro Minute abgerechnet wird.

Keine weiteren Fragen.

3. Berlin kann keinen Großflughafen bauen

Falsch: Wir wollen es einfach nicht. Niemand möchte nach Schönefeld, wenn es doch diesen zentralen Flughafen in Tegel gibt. Klaus Wowereit profitiert in Wahrheit heimlich von der Bauverzögerung. Wir alle werden ihn so lange weiterwählen, bis er in Rente geht, nur um nicht diese elende Strecke mit der S9 runterjuckeln zu müssen, wenn wir in den Urlaub fliegen wollen.

4. Berliner Mundart

NIEMAND SAGT TELESPARGEL ZUM FERNSEHTURM!

Niemand.

Wirklich. Niemals.