I just ousted Klaus Wowereit as the mayor of Berlin

Eine Woche vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus ist die Stimmung in der Stadt denkbar unaufgeregt. So gerne sich die Stadt als innovative, ständig den Puls der Zeit fühlende Metropole verkaufen lässt, so konservativ sind ihre Bewohner.

Der Berliner mag keine Veränderungen und hat daher in den letzten zwanzig Jahren konstant gelitten. Allerdings hat er sich während dieser langen Zeit auch an den Zustand gewöhnt und wird am 18. September wieder den Mann wählen, der ihm die Kontinuität der Veränderung verspricht.

Die Parteien streiten im Wahlkampf etwas unbeholfen über Bildung, Tempo 30 und die Frage, warum Klaus Wowereit auf dem einen Plakat ein Stoffkrokodil ins Gesicht gedrückt bekommt. Die Grünen bringen noch ein bisschen Atom ins Spiel, was mit Berliner Stadtpolitik weniger zu tun hat als die FDP nach den Wahlen.

Bis auf die CDU, deren Spitzenkandidat mit randloser Brille Wirtschaftskompetenz ausdrücken möchte, versucht keiner ernsthaft, den Berlinern mehr Arbeitsplätze zu versprechen.  Dies wäre ebenso realistisch wie die Forderung, Knut wiederzubeleben.

Wenn sich doch aber alle darüber einig sind, wäre es doch nur recht und billig, Themen auf die politische Agenda zu setzen, die wirklich gefragt sind und zum garantierten Wahlsieg führen. Der Schlüssel zum Erfolg: die Kiezmentalität dieser Stadt.

Wie Markus Babbel richtig erfasst hat, neigt der Berliner tendenziell gerne mal zu Größenwahn, also habe ich eine kleine Liste mit Zielen erstellt, die jeder Partei die absolute Mehrheit im Abgeordnetenhaus sichern würden:

– Das Bauvorhaben „Themenpark West-Berlin“ im Bahnhof Zoo mit Eberhard Diepgen als
Direktor und Rolf Eden als Programmchef in der Außenstelle Bierpinsel.
– Industrielle Investoren bekommen Bauland außerhalb der Stadtgrenze geschenkt. Sollte Brandenburg mucken, droht Berlin seinen Nachbarn mit generellem Hausverbot in allen Berliner Clubs und Discos.
– Außerdem bekommt Brandenburg im Gegenzug Marzahn.
– In Pankow und Köpenick wird die Jugendweihe wieder verpflichtend.
– In Wilmersdorf oder Friedenau wird ein Trümmerfrauendenkmal errichtet
(„Wir haben ja schließlich auch gelitten!“).
– Die Flugroute nach Schönefeld wird nicht über Wannsee, sondern ausschließlich
über Brandenburg gehen (auch hier gilt bei Widerstand die Hausverbotsdrohung).
– Besitzer abgefackelter Autos erhalten die Abwrackprämie.
– Spandau wird das eigene Stadtrecht in Aussicht gestellt, da es mittlerweile auch in anderen Bezirken IKEA-Filialen gibt.
– Charlottenburg und Schöneberg bekommen die Zusicherung, einmal pro Jahr in den Stadtmagazinen Zitty und Tip als „auch irgendwie ganz coole Bezirke“ genannt zu werden.
– In Mitte, Prenzlauer Berg und Kreuzkölln bekommen Eltern die Zusicherung, dass ihre Kinder nicht mit Ausländern in die Grundschule gehen müssen.
– Friedrichshainer müssen keine Regelstudienzeit einhalten.
– und Reinickendorf wird weiterhin von allen in Ruhe gelassen.